Kategorie: Frühmittelalter

  • Vom Nydam-Boot zu Schwert und Scheibenfibel: Wege ins Frühmittelalter

    Vom Nydam-Boot zu Schwert und Scheibenfibel: Wege ins Frühmittelalter

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    Der rechte Bildabschnitt greift Motive der Völkerwanderungszeit bis zum Frühmittelalter auf: ein schlankes Langschiff in Seitenansicht mit Schilden an der Bordwand, ein Prunkschwert mit germanischem Tierstil, eine Scheibenfibel als Trachtzier sowie eine schlichte Dorfkirche mit rundbogigen Öffnungen.

    Schiffe der Völkerwanderungszeit

    Das Nydam-Boot (3.–4. Jh. n. Chr.) ist eines der wichtigsten Wasserfahrzeuge dieser Epoche. Es wurde in einem Mooropfer deponiert und ist plankengefügt, genietet und ohne Segel – ein hochseetüchtiges Ruderboot mit klaren Linien. Funde und Restaurierungen sind im Schloss Gottorf in Schleswig dokumentiert; das Nationalmuseum in
    Kopenhagen informiert ebenfalls über den Fundkomplex. Unser Bildmotiv orientiert sich an dieser Bootsform, die Handel, Reise und Kriegsfahrten ermöglicht hat.

    Prunkschwert und Tierstil

    Ein Prunkschwert mit Beschlägen im germanischen Tierstil (Salin Stil I/II) steht für Elitenkultur und Handwerk der Völkerwanderungs- und Merowingerzeit. Der Tierstil abstrahiert Tiere in Bändern, Ranken und Verschlingungen; er prägt Beschläge, Gürtel, Spangen und Schwertgehänge. Für Mitteldeutschland sind merowingerzeitliche Gräberfelder mit tierstilgeschmückten Ausstattungen gut belegt; die
    Forschungsliteratur behandelt Stilentwicklung und regionale Varianten ausführlich.

    Als Gegenstück in der Tracht erscheint die Scheibenfibel. Solche runden Fibeln mit Email, Almandin oder Filigran sind frühmittelalterliche Zierschließen; sie sichern Gewandteile und fungieren
    zugleich als Rangzeichen. Museen im norddeutschen Raum präsentieren zahlreiche Exemplare aus merowingischer Zeit.

    Frühe Kirchenarchitektur

    Die Kirche im Panorama ist bewusst schlicht gehalten:
    Mauerwerk, kleine rundbogige Fenster, deutliche Wandmassen. Solche Merkmale gehören in die Romanik (bzw. Vorromanik/Frühromanik), die sich durch Rundbögen, dicke Wände und eine eher blockhafte Gliederung auszeichnet. Die frühe Phase verwendet oft kleinere Fenster und einfache Basilikalayouts; erst später werden Gewölbe, Türme und Portale prunkvoller. Unser Motiv spiegelt deswegen eine unaufgeregte Dorflösung ohne
    Hochhaus-Silhouette.

    Trennlinien und Kontinuitäten

    Die Motive „Boot – Schwert – Fibel – Kirche“ markieren den Übergang von mobilen Gruppen und regionalen Eliten hin zu neuen Herrschaften und Gemeindestrukturen. Der Schiffstyp verweist auf Reichweite und Mobilität, das Prunkschwert auf Handwerk und Status, die Fibel auf Tracht- und Identitätszeichen, die Kirche auf neue religiöse und soziale Ordnung. Zusammen ergeben sie eine sachliche, nicht romantisierte
    Erzählung des 4.–7. Jahrhunderts.


    Quellen (Auswahl)

    • Nydam-Boot: Schloss Gottorf
    • Tierstil/ Merowingerzeit: Fachpublikation zu Salin Stil II
    • Scheibenfibeln (Einführung/ Beispiele): Überblicksseite mit Exponatenverweisen.
    • Romanik/ Vorromanik: Merkmalsüberblick und Epochen­kontext.