Vom Fund bis zur Deutung: Archäologie der Gepiden
Mitten im Herzen Europas, im heutigen Gebiet zwischen Donau, Theiß und Siebenbürgen, offenbaren sich immer neue Spuren jener vergessenen Völker, deren Geschichte längst in den Nebeln der Völkerwanderungszeit versunken ist. Unter diesen ragen die Gepiden hervor, ein ostgermanischer Stamm, der über Jahrhunderte ein eigenständiges Reich errichtete, sich sogar mit Attila verbündete und gegen seinen Sohn kämpfte, um dann im Kampf gegen die Langobarden unterzugehen. Die Spurensuche der Archäologen führt von reichen Schatzfunden über Gräberfelder bis zu Siedlungsspuren und gibt Einblick in das Leben, die Kultur und die politische Bedeutung dieses Volkes. Dieses Kapitel der germanischen Geschichte soll im Folgenden auf streng faktenbasierter Grundlage dargestellt werden.
Die Gepiden: Volk und Ursprung
Die Gepiden (auch Gepidi, Gebidi; lateinisch Gipedae oder Gepidae) gelten als ein ostgermanischer Stamm, dessen Verwandtschaft mit den Goten in den antiken Quellen mehrfach angeführt wird, speziell in der „Getica“ des Jordanes. Demnach sind die Gepiden möglicherweise Nachkommen oder zumindest nahe Verwandte der Goten, möglicherweise aus demselben skandinavischen Ursprungsgebiet stammend. Jordanes berichtet, dass die Goten aus Skandinavien (Gotiskandja) auszogen und die Gepiden zunächst an der Ostseeküste siedelten, etwa im Bereich der Mündung der Weichsel, wo die Goten diese Region als „Gepidojos“ – die Inseln der Gepiden – bezeichneten. Die Annahmen über eine skandinavische Herkunft der Gepiden gelten jedoch mit Vorsicht, da diese oft auf topische Erzählungen beruhen und archäologische Funde eine eindeutige frühe Identifizierung der Gepiden nicht erlauben.

Bild: Gepidenreich, gezeichnet von Tecumseh*1301
Erste gesicherte geschichtliche Zeugnisse der Gepiden treten um das 3. Jahrhundert n. Chr. auf, als sie unter ihrem König Fastida von der Weichselregion südwärts vordrangen, den Burgunde(r)n eine schwere Niederlage beibrachten, sie fast aufrieben, aber eben nur fast, und sich im nördlichen Siebenbürgen niederließen. Einige Gruppen schlossen sich mit den Goten am Schwarzen Meer zusammen. In antiken Quellen fehlen jedoch Berichte zu Konflikten mit den Römern im 4. Jahrhundert; die Gepiden scheinen vornehmlich mit ihren unmittelbaren Nachbarn beschäftigt gewesen zu sein.
Das Königreich der Gepiden (455–567)
Zeitgenössische Quellen wie auch die Gotengeschichte des Jordanes betonen übereinstimmend die herausragende Bedeutung des angeblich „unzählbaren“ gepidischen Heeres im Feldzug Attilas gegen Gallien im Jahr 451. Dieses Heer stand unter der Führung ihres wohl berühmtesten Königs Ardarich, dem als einzigem unter den Vasallenkönigen die besondere Ehre zuteilwurde, an den Beratungen Attilas während dessen Herrschaftszeit (445–453) teilzunehmen. Die bevorzugte Stellung der Gepiden beruhte darauf, dass sie das einzige größere ostgermanische Volk waren, das nicht vor den Hunnen aus dem Karpatenbecken ausgewichen war.
Attila war bei seinen Kriegszügen gegen die Städte beider römischer Reiche in hohem Maße auf die Gepiden angewiesen, die vor allem den Großteil des Fußvolkes stellten; zugleich war auch die Bevölkerung der hunnischen Lagerstadt auf verschiedene Dienstleistungen der Gepiden angewiesen. Ardarich, den die Hunnen zum König der Gepiden eingesetzt hatten, verfügte über eine nahezu ebenso starke Stellung innerhalb seines eigenen Volkes wie Attila über die Völker und Eliten des hunnischen Reiches. Diese Macht war ihm – ebenso wie einigen anderen Vasallenkönigen – von den Hunnen verliehen worden, doch verstand es der kluge Ardarich, sie zum Nutzen seines Volkes einzusetzen.

Bild: Herrschaftsgebiet der Hunnen unter Attila (434-453)
Aus dem Karpatenbecken sind aus der Zeit der Hunnenherrschaft nirgendwo so zahlreiche goldene Grabbeigaben bekannt wie aus dem Gebiet der Gepiden. Selbst nach dem Tod Theodosius’ II. und dem Abreißen des Goldzuflusses aus Ostrom versorgten die hunnischen Herren die Gepiden weiterhin mit eigens geprägten Solidi dieses Kaisers. Zum Zeitpunkt von Attilas Tod im Jahr 453 verfügten die Gepiden daher über die bestausgerüstete und wohlhabendste germanische Militäraristokratie. Dieses Volk, das als „die mit dem Schwert wütenden Gepiden“ bezeichnet wurde, und das sprichwörtliche „Schwert Ardarichs“ führten schließlich den Bund der Donauvölker in der Schlacht am Fluss Nedao zum Sieg über Attilas Sohn und Nachfolger Ellak im Jahr 455.
Nach ihrem Sieg „nahmen die Gepiden den Hunnen mit Gewalt ihre Siedlungsgebiete ab und besetzten als Sieger die Grenzen ganz Dakiens. Als selbstbewusste Macht forderten sie vom (ost-)römischen Reich lediglich einen freundschaftlichen Vertrag, Frieden sowie jährliche Tributzahlungen.“ Diese zeitgenössische, auf Priskos zurückgehende Nachricht belegt, dass die Gepiden nach ihrem Triumph das links der Donau gelegene Quartiergebiet der Hunnen ihrem eigenen Herrschaftsraum einverleibten und ihr Reich dadurch erheblich ausdehnten.
Die Ausdehnung des gepidischen Reiches in der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts wird von Cassiodor, einem hochinteressanten spätantiken römischen Staatsmanns, Gelehrten und Schriftstellers, auf Grundlage einer byzantinischen Quelle klar umrissen. Danach siedelten die Gepiden westlich von Scythia Minor (der Dobrudscha). Im Süden bildete die Donau die Grenze ihres Landes, im Osten der Fluss Aluta (Alt), im Nordosten und Norden der Alpenbogen, also die Karpaten, und im Westen die Theiß.
Unmittelbar nach dem Jahr 550 berichtet der Zeitgenosse Jordanes, das damalige Gebiet der Gepiden liege Mösien gegenüber, jenseits der Donau, in jenem Landstrich, der von den Alten zunächst Dacia und später Gothia genannt worden sei. Dieses Gebiet werde nun Gepidia genannt und sei nach Süden hin durch die Donau begrenzt.
Zwischen den beiden zuletzt genannten Beschreibungen der Ausdehnung des Gepidenreiches liegt der bedeutendste Eroberungskrieg dieses Volkes. Cassiodor konnte ihn noch nicht berücksichtigen, und als Jordanes sein Werk abschloss, befanden sich die eroberten Gebiete bereits nicht mehr in gepidischem Besitz. Das Oströmische Reich erkannte den Anspruch der Gepiden auf diese Territorien ohnehin nie an, weshalb der auf oströmischem Boden lebende Jordanes sie nur beiläufig erwähnt.
Den Feldzug von 539 eröffneten die Gepiden im Rahmen eines Bündnisses mit dem fränkischen König Theudebert gegen Byzanz. In einer verlustreichen Schlacht besiegten sie den oströmischen Heerführer Calluc und dessen Truppen. Infolge dieses Erfolges gliederten die Gepiden bis Ende 551 einen Streifen der Provinzen Moesia Prima und Dacia Ripensis entlang der Donau in ihr Herrschaftsgebiet ein, der sich von Singidunum (Belgrad) bis in den Raum gegenüber der Altmündung erstreckte.
Die von den Gepiden kontrollierte – genauer gesagt: von ihnen geöffnete – Grenze an der unteren Donau gewann dadurch erhebliche historische Bedeutung. Über einen Zeitraum von zwölf Jahren ermöglichten sie slawischen Gruppen, die das Oströmische Reich angriffen, sowie im Jahr 550 auch den Kutriguren den Übergang über die Donau. Infolge der aus oströmischer Sicht als „Sklaverei“ empfundenen gepidischen Herrschaft und der slawisch-kutrigurischen Einfälle floh die romanisierte Bevölkerung, die im Jahr 271 aus dem trajanischen Dazien umgesiedelt worden war, aus den Städten der unteren Donauzone ins Innere der Balkanhalbinsel. Mit ihnen gelangten ihr lateinischer Dialekt, die Erinnerung an ihre Herkunft aus der Zeit Trajans und an ihr einstiges „dacus“-Sein nach Süden.
Zwar gelang es Justinian I., gestützt auf den Sieg seiner langobardischen Verbündeten im Jahr 551, die Gepiden aus römischem Gebiet zu vertreiben und die Grenze an der unteren Donau wieder zu schließen; doch scheiterte er daran, die Städte neu zu beleben oder ihre ehemaligen Bewohner zurückzuführen. Beiderseits der unteren Donau entstanden nach 552 anstelle von Kastellen, Gegenfestungen und Städten lediglich Burgen, in denen über drei Jahrzehnte hinweg zahlenmäßig schwache Garnisonen – zur Hälfte oder vollständig aus Männern barbarischer Herkunft bestehend – den Grenzschutz übernahmen. Diese letzte Sicherungslinie wurde schließlich durch die awarischen Feldzüge der 580er und 590er Jahre bis zur Dobrudscha endgültig zerstört.
Die archäologischen Hinterlassenschaften der Gepiden aus dem Frühmittelalter, insbesondere aus dem 5. und 6. Jahrhundert, sind heute vergleichsweise gut erschlossen. Der erste eindeutig gepidische Grabfund wurde bereits 1856 in Siebenbürgen entdeckt: Es handelte sich um kostbaren Schmuck aus dem Grab einer wohlhabenden adligen Frau (Fund von Kleinschelken). Dass dieser und vergleichbare Schmuck im Karpatenbecken dem sogenannten „merowingischen Stil“ zuzuordnen sind, erkannte J. Hampel im Jahr 1880 anhand der prunkvollen Gürtelschnalle aus dem Grab von Großwardein. Auf der Grundlage seiner umfassenden Kenntnis der historischen Quellen und der sich rasch vermehrenden archäologischen Funde gelangte er gegen Ende des 19. Jahrhunderts zu dem Schluss, dass Gräber und Gräberfelder mit solchen Beigaben östlich der Theiß dem Volk der Gepiden zuzuschreiben sind.
Mit der Veröffentlichung des ersten mustergültig ausgegrabenen gepidischen Gräberfeldes von Mezőbánd/Bandorf (1906/07) konnte I. Kovács 1913 zudem methodisch überzeugend nachweisen, dass es sich dabei um ein Gräberfeld der Gepiden aus der Zeit der Völkerwanderung handelt. Zwar blieb auch die gepidische Archäologie nicht von den methodischen und ideologischen Verwerfungen verschont, die nach dem Ersten Weltkrieg die archäologische Forschung prägten, doch wurden die Untersuchungen im Gebiet des ehemaligen, heute auf drei Staaten verteilten Gepidenreiches kontinuierlich fortgeführt – in Siebenbürgen zwischen 1951 und 1956 sogar im Rahmen eines sogenannten „slawisch-antischen Programms“. Seit den 1960er Jahren gelten viele zuvor offene Fragen als geklärt.
Inzwischen besteht unter ungarischen, serbischen und rumänischen Fachleuten kein Zweifel mehr daran, dass die Siedlungen und Gräberfelder dieser Zeit den Gepiden zuzuschreiben sind. Deutlich schwieriger gestaltet sich hingegen die Abstimmung dieser Forschungsergebnisse mit der westeuropäischen merowingerzeitlichen Forschung. Dort gibt es bis heute zahlreiche Historiker und Archäologen, die den Gepiden kaum Beachtung schenken oder allenfalls die einfachen Gräber des gemeinen Volkes als gepidisch anerkennen. Belastend wirken dabei bis heute die feindseligen zeitgenössischen Berichte gotischer und langobardischer Autoren.
So wurden den Gepiden ihre reichen Schätze, Königs- und Fürstengräber ebenso abgesprochen und den Goten zugeschrieben wie ihre militärischen Erfolge. Diese Sichtweise beeinflusste zeitweise auch die regionale Forschung, etwa in der unbelegten Annahme, die Königsgräber von Apahida oder der Schatz von Szamosfalva seien Hinterlassenschaften einer ostgotischen Herrschaftsschicht, die Siebenbürgen bis 474 oder 490 besetzt gehalten habe. Demgegenüber lässt sich der außergewöhnliche Reichtum der gepidischen Könige und Großen überzeugend aus ihrem historisch bedeutsamen Sieg über die Hunnen sowie – abgesehen von den erwähnten zwölf Jahren – aus ihrem festen Bündnis mit dem Oströmischen Reich erklären.
Aus der Verbreitung der Solidi der Kaiser Theodosius II., Marcian und Valentinian III. – also jener Goldmünzen, die die Gepiden im mittleren Drittel des 5. Jahrhunderts bevorzugt als Grabbeigaben verwendeten – lässt sich eindeutig auf die Ausdehnung ihres Siedlungsgebietes während der hunnischen Herrschaft schließen. Demnach erstreckte sich das Land der Gepiden östlich der Linie Bodrog–Theiß, nördlich der Linie Kreisch–Schneller Kreisch sowie im Osten nördlich des Quellgebietes des Großen Samosch. Die reichen, münzdatierten Einzelgräber aus dem Partium und aus Nordsiebenbürgen, etwa bei Érmihályfalva, bilden bis heute eine wichtige chronologische Grundlage der internationalen Forschung zur sogenannten „merowingischen Zivilisation“.
In dieser Zeit entwickelte sich auch das charakteristische, „neureiche“ Trachtenzubehör der adligen gepidischen Frauen: große silberne Scheibenfibeln an beiden Schultern des Gewandes, reich verzierte Gürtelschnallen und Armreifen, ergänzt durch goldene Ohrringe und Perlen. Besonders häufig sind solche Bestattungen vornehmer Frauen in Nordostungarn, doch finden sie sich ebenso im angrenzenden Partium, etwa in Érdengeleg und Gencs. In Großwardein entstand in dieser Epoche sogar ein ausgedehnter adliger Friedhof.
Da Waffen, Männer- und Frauentracht sowie weitere Elemente der materiellen Kultur der Gepiden aus der Hunnenzeit inzwischen durch bedeutende Gräberfelder in Ungarn und im Partium – etwa Ártánd I und II oder Érmihályfalva – gut bekannt sind, lässt sich auch die Besiedlung Siebenbürgens nach dem Ende der hunnischen Herrschaft vergleichsweise zuverlässig nachzeichnen. Die ersten gepidischen Siedler brachten ihre eigenen Schmuckformen wie Ohrringe und Fibeln mit. Ihren Toten legten sie als Obolus teilweise noch immer die in großen Mengen ins Hunnenreich gelangten Spätprägungen des Theodosius II. oder des Valentinian III. (425–455) ins Grab, die jedoch bald durch Solidi Leos I. (457–474) und Zenos (474–491) ersetzt wurden.
Die Verbreitung dieser Goldmünzen deckt sich gut mit den frühen gepidischen Grabfunden, die sich bis in die Täler Südsiebenbürgens erstrecken, etwa nach Schäßburg, Hofmarkt, Kronstadt, Stolzenburg und Holzmengen. Der Großteil der Funde stammt aus Familiengrablegen neu errichteter adliger Herren- und Meierhöfe; größere Dorfsiedlungen waren zu dieser Zeit noch nicht entstanden. Die meisten Zeugnisse dieser Phase wurden in Klausenburg und seiner näheren Umgebung entdeckt, wo daher ein bedeutendes Zentrum der Gepiden vermutet wird.
Archäologische Fundorte und Funde
Die archäologische Überlieferung der Gepiden ist untrennbar mit dem Gebiet des heutigen Ungarns, Serbiens und Rumäniens, insbesondere Siebenbürgens und des Ungarischen Tieflandes östlich der Theiß, verbunden. Dort liegen diverse Fundorte und Gräberfelder vor, die die Präsenz der Gepiden belegen.
- Szilágysomlyó-Schatz: Ein bedeutender Hortfund (zuerst wurden Stücke 1797 und dann nochmal 1889 entdeckt im damaligen Ungarn, heutigem Rumänien, die bis heute untersucht werden) der ebenso wie andere Fundplätze wichtige Zeugnisse über die materielle Kultur der Gepiden liefert.


Bilder: Fibeln, Kleidernadeln aus dem Szilágysomlyó-Schatz
- Gräberfelder von Apahida (ungarisch, übersetzt: „Die Brücke der Mönche“ ist eine Gemeinde im Kreis Cluj, in der Region Siebenbürgen in Rumänien): Drei, zwischen 1889 bis 1973 gefundene, reich ausgestattete frühmittelalterliche Gräberfelder, deren Grabbeigaben wie Waffen, Fibeln und Schmuck auf die germanische Gepidengesellschaft deuten.

Bild: Sattelfibeln, gefunden 1968 in Apahida
- Reihengräberfelder: In Orten wie Szentes-Nagyhegy und Hódmezővásárhely-Kishomok wurden ausgedehnte Friedhöfe mit zahlreichen Grabbeigaben ausgegraben, die die früheren Siedlungen und Bestattungskulturen belegen.
- Kölked (Südungarn): Fundstelle eines germanischen Dorfes aus awarischer Zeit, mutmaßlich mit gepidischem Ursprung. Das Gräberfeld von Kölked umfasst zahlreiche Bestattungen aus dem späten 6. bis frühen 7. Jahrhundert n. Chr. und zählt zu den bedeutendsten frühmittelalterlichen Fundplätzen in Südosteuropa.

Bild: Fundstücke, gefunden im Grab eines Mannes in Kölked, 6.-7.Jh.
Diese Funde erlauben einen Einblick in die Bestattungsrituale, den sozialen Status von Toten und die kulturellen Einflüsse jener Zeit. Die Ausgrabungen zeigen eine enge Verbindung zu anderen germanischen Kulturen, wobei besonders die Fibeln als interessanteste Kunstfertigkeit auffallen. Fibeln sind eine metallene, dem Prinzip der Sicherheitsnadel entsprechende Gewandnadel
Kulturelle und gesellschaftliche Einordnung
Die Gepiden sollen zunächst heidnisch gewesen sein, wie Berichte bis ungefähr zum Jahr 440 noch anführen, ehe sie zum arianischen Christentum konvertierten. Der erste historisch belegte Bischof aus ihren Reihen ist Thrasarich im 6. Jahrhundert. Die Gesellschaft dürfte monarchisch organisiert gewesen sein, was aus den Aufzeichnungen der Herrscher und Könige hervorgeht.
Die Siedlungsweise wird als kleinteilig beschrieben: man bewohnte Einzelgehöfte, kleine Weilern und verlassene Burgen insbesondere im transsilvanischen Bergland. Die Stadt Szentes könnte als Machtzentrum gedient haben. Die Besiedlung war klar ländlich geprägt, und archäologische Spuren von Landwirtschaft sowie Keramik legen eine florierende agrarische Gemeinschaft nahe.
Die Rolle der Ausgrabungen bei der Rekonstruktion der gepidischen Geschichte
Die archäologischen Funde tragen entscheidend zum Verständnis der Gepiden bei, deren Geschichte in den schriftlichen Quellen oft fragmentarisch oder wenig detailliert überliefert ist. Sensationen wie der Schatzfund von Szilágysomlyó oder die reichen Gräber von Apahida stärken die Forschungsbasis. Bei der Auswertung solcher Funde stehen besonders die Grabbeigaben wie Waffen, kunstvolle Fibeln, Schmuckgegenstände und Werkzeuge im Fokus, welche auf gesellschaftliche Hierarchien, kulturelle Einflüsse und wirtschaftliche Verhältnisse hinweisen.
Das Nebeneinander von eingegliederten germanischen Elementen und möglicherweise übernommenen sarmatischen Einflüssen aus der Region lässt auf ein Vielfalt und Interaktion zwischen verschiedenen Völkern schließen. Ebenso geben Kiesscherben, Knochenfunde und die Siedlungsarchäologie Hinweise auf landwirtschaftliche Praktiken, die im Verlaufe der Völkerwanderungszeit vielfach neuen Anpassungen unterworfen waren.
Ungeklärte Fragen und Quellenlücken
Die genaue Herkunft der Gepiden und ihr Verhältnis zu den Goten bleibt in mancher Hinsicht ungeklärt. Gerade die Frühzeit vor dem 3. Jahrhundert ist archäologisch wie schriftlich schlecht erschlossen. Ebenso unklar ist die detaillierte soziale Struktur und Organisation des gefestigten Reichs der Gepiden, vor allem wie sich diese im Angesicht der Hunnen- und später Langobardenherrschaft wandelte. Die Verbindung von archäologischen Funden zu einer klar gepidischen Ethnie ist oft schwer fassbar, zumal sie ihre Kultur mit benachbarten Völkern teilten oder von diesen beeinflusst wurden.
Auch zu den genauen Hinterlassenschaften der Gepiden nach ihrem Fall im 6. Jahrhundert gibt es keine eindeutigen Belege. Die späteren Eroberungen durch die Awaren und die byzantinischen Feldzüge führten zu einer Verwüstung ihrer ehemaligen Siedlungsgebiete, woraufhin die Spuren der Gepiden in der Geschichte langsam entschwinden.
Schlussbetrachtung
Die Gepiden zählen ohne Zweifel zu den faszinierenden, wenngleich bislang nur unvollständig erforschten Völkern der germanischen Welt zur Zeit der Völkerwanderung. Archäologische Funde geben in den Siedlungsgebieten Mitteldonaus und Siebenbürgens eindrucksvolle Zeugnisse ihrer Lebensweise und Kultur. Die Geschichte des gepidischen Reichs, von der ersten Erwähnung ihres Volkes im 3. Jahrhundert über ihren Höhepunkt nach dem Sturz der Hunnenherrschaft bis zum fürchterlichen Ende durch die Langobarden und Awaren im 6. Jahrhundert, erschließt sich durch die Verbindung von schriftlichen Quellen und archäologischen Belegen.
Es bleibt jedoch Raum für weitere Untersuchungen, gerade im Bereich der frühen Gepidenzeit und ihrer genauen Herkunft. Die differenzierte Erforschung der materiellen Kultur und die genaue Zuordnung der Fundstellen könnten weitere Erkenntnisse über ihr Verhältnis zu den Goten und den umliegenden Völkerschaften liefern.
Quellen
- https://de.wikipedia.org/wiki/Gepiden
- https://www.evolution-mensch.de/Anthropologie/Gepidenreich
- http://www.gepiden.info/seite-3.html
- https://www.manfred-hiebl.de/mittelalter-genealogie/_voelkerwanderung/g/gepiden.html
- http://yggdrasil-kreis.org/gepiden
- https://archive.org/details/historischtopogr00dicu
- https://www.thueringer-allgemeine.de/lokales/nordhausen/article410517062/spuren-alter-welten-archaeologen-entdecken-im-kreis-nordhausen-die-geschichte.html
- https://www.wissenschaft.de/geschichte-archaeologie/graeberfeld-beleuchtet-anfaenge-der-bajuwaren/
- https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen/bautzen/goerlitz-weisswasser-zittau/bronze-zeit-schatz-klein-neundorf-100.html
Automatisch verlängert, da die Quellenlage begrenzt ist.