Allgemeines zu den Lugiern
Die Lugier waren ein germanischer Volksstamm, der in der Antike im Gebiet Mittel- und Osteuropas lebte, im 1. Jh. u.Z. im heute schlesischen Raum. Der antike griechische Geschichtsschreiber und Geograph Strabon bezeichnet die Lugier in seinem Werk „Geographika“ als ein großes Volk, das mehrere Stämme umfasste. Er erwähnt auch, dass wirtschaftlich bedeutend der Bernsteinhandel war, „der auch Begehrlichkeiten weckte.“
Tacitus nennt in seinem ethnographischen Werk „Germania“ fünf Teilvölker der „Lugischen Gruppe“: Harier, Helvekonen, Manimer, Helisier und die Nahanarvaler, auf deren Gebiet die lugische Kultgemeinschaft einen heiligen Hain unterhielt. Als nördliche Nachbarn erwähnt Tacitus noch die Gotonen. Claudius Ptolemäus nennt in seinen geographischen Anleitungen nur drei Untergruppen der Lugier: die Iomannoi (deutsch: Omanen), die Idounoi und die Bouroi (deutsch Buren). Cassius Dio erwähnt die Lugier nur an einer Stelle. Seit dem 3. Jahrhundert verschwindet der Begriff aus den antiken Quellen, stattdessen werden bereits früher und etwa am gleichen Ort die vandil(i)i bzw. vandali genannt und das sind tatsächlich die berühmten Vandalen, die gesichert nicht aus Skandinavien, sondern aus der Gegend der Lugier Richtung Spanien und Afrika wanderten. Man weiss bis heute nicht, ob die Lugier zu den Vandalen gehörten oder umgekehrt.
Konkrete und umfassende Quellen über den Alltag der Lugier sind aufgrund der frühen historischen Periode und der spärlichen schriftlichen Belege begrenzt. Dennoch lassen sich aus archäologischen Funden und Vergleichen mit anderen germanischen Stämmen einige grundlegende Aspekte ihres Alltags rekonstruieren.

Bild: Gebiet der fünf Lugierstämme vor der Völkerwanderung
Wohnen und Dorfstruktur
Die Lugier lebten vermutlich in kleinen Dörfern mit hölzernen Langhäusern, die als Wohn- und Arbeitsstätten dienten. Diese Häuser boten Raum für die gesamte Familie sowie für Haustiere. Die Bauweise war rudimentär, basierend auf lokal verfügbaren Materialien wie Holz und Lehm. Die Dörfer lagen meist in der Nähe von fruchtbarem Ackerland und Wasserquellen.
Familie und Soziales
Die Familie bildete die zentrale soziale Einheit. In der Regel lebten Großfamilien zusammen, die gemeinsam arbeiteten und wirtschafteten. Es gab eine hierarchische Struktur innerhalb der Gemeinschaft, wobei Stammesführer oder Älteste über soziale und rechtliche Angelegenheiten entschieden. Es gibt keine genauen Aufzeichnungen über die Rolle der Frau oder der Kinder, doch lässt das allgemeine Wissen über germanische Gesellschaften auf eine starke Einbindung aller Familienmitglieder in den Alltag schließen.
Ernährung
Die Ernährung der Lugier basierte auf Ackerbau, Viehzucht und Jagd. Vorherrschende Nahrungspflanzen waren Getreidearten wie Gerste und Roggen, ergänzt durch Gemüse. Fleisch stammte von Rindern, Schweinen und Schafen sowie Wildtieren. Fischfang konnte in Flussnähe ebenfalls eine Rolle gespielt haben. Die Ernährung war saisonal abhängig und durch die Jahreszeiten bestimmt.
Kleidung
Zur Kleidung der Lugier gibt es keine direkten Quellen, jedoch lässt sich ein Bild aus Funden anderer germanischer Stämme gewinnen. Die Bekleidung bestand vermutlich aus Wolle und Leinen, verarbeitet zu einfachen Tuniken, Umhängen und Hosen. Kleidung wurde teilweise handgefertigt und konnte mit einfachen Mustern oder Verzierungen versehen sein. Schuhe und Gürtel gehörten zur üblichen Ausstattung.
Jahreslauf und Feste
Der Jahreslauf war stark durch die Landwirtschaft geprägt, wobei Aussaat und Ernte die wichtigsten Zeitspunkte markierten. Es ist anzunehmen, dass die Lugier – wie viele germanische Völker – verschiedene Rituale und Feste abhielten, die mit Naturzyklen und religiösen Vorstellungen verbunden waren. Konkrete Informationen zu Lugier-spezifischen Festen fehlen jedoch in den Quellen.
Zusammenfassung
- Die Lugier lebten in einfachen Holzhäusern innerhalb kleinräumiger Dorfstrukturen.
- Die Familie war die wesentliche soziale Einheit mit wahrscheinlich patriarchalischer Hierarchie.
- Ernährung beruhte auf Ackerbau, Viehzucht, Jagd und Fischfang, abhängig von der Jahreszeit.
- Kleidung bestand vorwiegend aus Wolle und Leinen, handgefertigt und funktional.
- Der Jahreslauf orientierte sich an landwirtschaftlichen Zyklen; über genaue Feste und religiöse Bräuche gibt es wenig gesicherte Informationen.
Da die Quellenlage zu den Lugiern im Alltag sehr dünn ist, basieren diese Informationen vor allem auf allgemeinen Erkenntnissen zur germanischen Kultur und Archäologie der betreffenden Zeit.
Quellen
- Karl Banghard: Auf der Spur der wahren Germanen | Jüdische Allgemeine – allgemeine Informationen zur germanischen Geschichte und Archäologie